Literatur

Yasunari Kawabatas „Schneeland“ -Studienführer und Diskussionsfragen

In dem gefeierten Roman „Snow Country“ von 1948 dient eine an natürlicher Schönheit reiche japanische Landschaft als Kulisse für eine flüchtige, melancholische Liebesbeziehung. Die Eröffnung des Romans beschreibt eine abendliche Zugfahrt durch „die Westküste der Hauptinsel Japans“, die titelgefrorene Umgebung, in der die Erde „weiß unter dem Nachthimmel“ ist.

 

Zusammenfassung der Handlung

An Bord des Zuges in der Eröffnungsszene befindet sich Shimamura, der zurückhaltende und sehr aufmerksame Mann der Freizeit, der als Hauptfigur des Romans dient. Shimamura ist fasziniert von zwei seiner Mitreisenden – einem kranken Mann und einem schönen Mädchen, das sich „eher wie ein verheiratetes Paar benahm“ -, aber er ist auch auf dem Weg, eine eigene Beziehung zu erneuern. Bei einer früheren Reise in ein Schneelandhotel hatte Shimamura „sich nach einem Gefährten gesehnt“ und eine Verbindung mit einem Lehrling namens Komako aufgenommen.

Kawabata schildert die manchmal angespannten, manchmal lockeren Interaktionen zwischen Shimamura und Komako. Sie trinkt viel und verbringt mehr Zeit in Shimamuras Quartier. Er erfährt von einem möglichen Liebesdreieck zwischen Komako, dem kranken Mann im Zug (der möglicherweise Komakos Verlobter gewesen sein könnte) und Yoko, dem Mädchen im Zug. Shimamura fährt im Zug ab und fragt sich, ob der kranke junge Mann „seinen letzten Atemzug macht“ und sich selbst unwohl und melancholisch fühlt.

Zu Beginn des zweiten Teils des Romans ist Shimamura wieder in Komakos Resort. Komako hat es mit ein paar Verlusten zu tun: Der Kranke ist gestorben, und eine andere, ältere Geisha verlässt die Stadt nach einem Skandal. Ihr starkes Trinken geht weiter, aber sie versucht eine engere Vertrautheit mit Shimamura.

Schließlich macht Shimamura einen Ausflug in die umliegende Region. Er ist daran interessiert, eine der lokalen Industrien, das Weben von makellosem weißem Chijimi-Leinen, näher zu betrachten. Doch anstatt auf eine robuste Industrie zu stoßen, macht sich Shimamura auf den Weg durch einsame, schneebedeckte Städte. Gegen Einbruch der Dunkelheit kehrt er in sein Hotel und nach Komako zurück – nur um festzustellen, dass die Stadt in eine Krise geraten ist.

Gemeinsam sehen die beiden Liebenden „eine Funkensäule im Dorf unten aufsteigen“ und eilen zum Ort der Katastrophe – einem Lagerhaus, das als provisorisches Kino genutzt wurde. Sie kommen an und Shimamura beobachtet, wie Yokos Leiche von einem der Lagerbalkone fällt. In der letzten Szene des Romans trägt Komako Yoko (vielleicht tot, vielleicht bewusstlos) aus den Trümmern, während Shimamura von der Schönheit des Nachthimmels überwältigt wird.

 

Hauptthemen und Charakteranalyse

Obwohl Shimamura bemerkenswert distanziert und in sich selbst versunken sein kann, ist er auch in der Lage, unvergessliche, leidenschaftliche und fast künstlerische Beobachtungen der Welt um ihn herum zu machen. Während er mit dem Zug ins Schneeland fährt, konstruiert Shimamura eine ausgefeilte optische Fantasie aus „spiegelähnlichen“ Fensterreflexionen und Teilen vorbeifahrender Landschaft.

Tragische Sequenzen beinhalten oft Momente von unerwarteter Schönheit. Als Shimamura Yokos Stimme zum ersten Mal hört, denkt er, dass „es eine so schöne Stimme war, dass sie einen als traurig empfand“. Später nimmt Shimamuras Faszination für Yoko einige neue Richtungen und Shimamura beginnt, die bemerkenswerte junge Frau als eine angstauslösende, vielleicht zum Scheitern verurteilte Figur zu betrachten. Yoko – zumindest wie Shimamura sie sieht – ist gleichzeitig eine äußerst verlockende und äußerst tragische Präsenz.

Es gibt eine weitere Verbindung von positiven und negativen Ideen, die in „Snow Country“ eine herausragende Rolle spielen: die Idee der „verschwendeten Anstrengung“. Diese Kopplung betrifft jedoch nicht Yoko, sondern Shimamuras anderes erotisches Interesse, Komako.

Wir erfahren, dass Komako besondere Hobbys und Gewohnheiten hat – Bücher lesen und die Charaktere aufschreiben, Zigaretten sammeln -, aber diese Aktivitäten bieten ihr nie wirklich einen Ausweg aus dem melancholischen Leben einer Geisha aus dem Schneeland. Trotzdem erkennt Shimamura, dass diese Ablenkungen Komako zumindest etwas Trost und Würde bieten.

 

Literarischer Stil und historischer Kontext

Während seiner Karriere schuf der Autor Yasunari Kawabata, der 1968 den Nobelpreis für Literatur erhielt, Romane und Geschichten, die wichtige japanische Geschichte, Kunstwerke, Wahrzeichen und Traditionen hervorheben. Zu seinen weiteren Werken gehörten „The Izu Dancer“, das die raue Landschaft und die beliebten heißen Quellen der japanischen Izu-Halbinsel als Kulisse verwendet, und „Thousand Cranes“. Dies stützt sich stark auf Japans langjährige Teezeremonien.

Der Roman stützt sich stark auf schnell gelieferte Ausdrücke, suggestive Bilder und unsichere oder unbekannte Informationen. Wissenschaftler wie Edward G. Seidensticker und Nina Cornyetz argumentieren, dass diese Merkmale von Kawabatas Stil von traditionellen japanischen Schreibformen abgeleitet sind, insbesondere von Haiku- Gedichten.

 

Schlüsselzitate

„In den Tiefen des Spiegels bewegte sich die Abendlandschaft vorbei, der Spiegel und die reflektierten Figuren überlagerten sich wie bewegte Bilder. Die Figuren und der Hintergrund hatten nichts miteinander zu tun, und doch waren die Figuren, transparent und immateriell, und der Hintergrund dunkel in der aufkommenden Dunkelheit verschmolzen zu einer Art symbolischer Welt, die nicht von dieser Welt ist. „

 

Fragen zum Studium und zur Diskussion

  1. Wie wichtig ist Kawabatas Einstellung für „Snow Country“? Ist es ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte? Können Sie sich vorstellen, dass Shimamura und seine Konflikte in einen anderen Teil Japans oder in ein anderes Land oder einen anderen Kontinent übertragen wurden?
  2. Überlegen Sie, wie effektiv Kawabatas Schreibstil ist. Schafft die Betonung der Kürze dichte, evokative Prosa oder unangenehme und unklare Passagen? Gelingt es Kawabatas Charakteren, gleichzeitig mysteriös und komplex zu sein, oder wirken sie einfach rätselhaft und schlecht definiert?
  3. Shimamuras Persönlichkeit kann einige sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Haben Sie Shimamuras Beobachtungsgabe respektiert? Seine distanzierte, egozentrische Sichtweise auf das Leben verachten? Schade um seine Bedürftigkeit und Einsamkeit? War sein Charakter zu kryptisch oder kompliziert, um eine e
    inzige klare Reaktion zuzulassen?
  4. Soll „Schneeland“ als zutiefst tragischer Roman gelesen werden? Stellen Sie sich vor, was die Zukunft für Shimamura, Komako und vielleicht Yoko bereithält. Sind diese Charaktere traurig oder könnte sich ihr Leben mit der Zeit verbessern?

 

Ressourcen und weiterführende Literatur

  • Kawabata, Yasunari. Schneeland . Übersetzt von Edward G. Seidensticker, Vintage International, 1984.
  • Kawabata, Yasunari. Schneeland und tausend Kraniche: die Nobelpreisausgabe von zwei Romanen . Übersetzt von Edward Seidensticker, Knopf, 1969.

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